NOVEMBER / DEZEMBER 2026
Es wird kälter!
Der Sommer war wieder mal viel zu schnell vorüber. In der Natur stellt sich das Wachstum ein, das Laub verfärbt sich und fällt herab, Reif auf Wiesen und Bäumen – es wird kälter.
Auch in unserer Gesellschaft habe ich den Eindruck, dass es kälter wird. Mitgefühl, Solidarität und der gegenseitige Respekt im Alltag haben spürbar nachgelassen. Statt ein Miteinander wird es mehr und mehr ein Gegeneinander. Fortschreitende Spaltung, mehr Egoismus und ein rauerer Umgang bis in hohe Regierungskreise hinein sind an der Tagesordnung. In den sozialen Medien sinkt die Hemmschwelle, Diskussionen werden aggressiver und polarisierter geführt. Zukunftsängste, Inflation und hoher Leistungsdruck führen dazu, dass sich viele Menschen erst einmal auf sich selbst und ihr Eigenes fokussieren. Trotz ständiger digitaler Vernetzung fühlen sich immer mehr Menschen einsam, was das Gefühl von Distanz und Kälte verstärkt. Es wird kälter!
Auch Jesus spricht von einem Erkalten in der letzten Zeit:
…und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt,
wird die Liebe der meisten erkalten; …
Matthäus 24;12
Jesus prophezeit, dass die Liebe der meisten erkalten wird. Allerdings denkt er dabei nicht in erster Linie an die Menschen, die Gott nicht kennen, sondern er spricht zu seinen Jüngern und redet von denen, die zu ihm gehören. Das Wort, welches im Deutschen mit Liebe übersetzt ist, ist „agape“ – eine bedingungslose, selbstlose und göttliche Liebe. Eine Liebe, die nur Gott schenken kann.
Und wenn nun Jesus vorhersagt, dass diese Liebe in den meisten Christen erkalten wird, dann neigen wir sehr schnell dazu, zu sagen: Nein, auf keinen Fall darf das passieren! Lasst uns alles tun, um diese Entwicklung abzuwenden! Doch ein prophetisches Wort ist nicht gegeben, um es abzuwenden, sondern um darauf vorbereitet zu sein, dass dies uns nicht erschreckt oder erschüttert, wenn es eintritt. Es wird kälter! Auch unter Christen. Die Aufforderung, verbunden mit einer Verheißung, ist eine andere:
…wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.
Matthäus 24;13
Wir sind gerufen, auf uns zu achten und die uns von Gott geschenkte Liebe „warm zu halten“, auszuharren in dieser Liebe. Unser Herz immer wieder erwärmen zu lassen in der Gemeinschaft mit Gott, um so unsere Liebe zu Gott und zu anderen am Brennen zu halten.
Der Apostel Johannes schreibt dazu:
Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
1. Johannes 4;19
Die Liebe Gottes immer wieder an uns heranlassen, seine Gegenwart suchen und genießen, das macht uns fähig diese Liebe auch weiterzugeben. Damit wir zu denen gehören dürfen, in denen die Liebe nicht erkaltet. Denn es sind zwar die „meisten“, und das ist erschreckend, aber nicht alle.
Einige halten durch bis zum Ende, einige schaffen durch ihr geistliches Leben Bedingungen, damit diese Liebe in ihnen nicht erkaltet und sie werden errettet.
So wie es uns nicht überrascht, dass es zum Ende des Jahres hin kälter wird, so sollte es uns auch nicht verwundern, dass die Liebe in den Christen erkaltet in der letzten Zeit.
Wir können dies bedauern, beklagen, vielleicht sogar anklagen, aber das Einzige, was wir in der Hand haben ist das, was wir aus der Liebe, die Gott uns schenkt, machen. Erwidern wir diese Liebe und geben sie an andere weiter?
Das wünsche ich uns.
J. Faber